Getagged: kino

be a beast

Es ist der Film des Jahres. Punkt. Viel mehr brauche ich eigentlich nicht sagen über Beasts of the Southern WildAußer vielleicht, dass der Film mich beim filmfest Braunschweig regelrecht umgehauen hat. Grandios gefilmt, eindrucksvolle Bilder vom überschwemmten New Orleans, ein einfacher wie absolut stimmiger Soundtrack und vor allem: eine umwerfende Hauptdarstellerin umringt von tollen Laiendarstellern, denen man das Laientum nicht anmerkt.

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the sound of the artist

„Heute nachmittag durfte schon jeder, der wollte, seinen Oscar anfassen“ mit dieser eindeutig gemeinten, vom Publikum zweideutig aufgefassten Anekdote, leitete Festivalleiter Volker Kufahl einen wunderbaren Abend ein. Gemeint war der Acadamy Award für die beste Filmmusik des Komponisten Ludovic Bources. Erhalten hat er ihn für The Artist, der Film, der bei 2012 einen Oscar nach dem anderen abräumte. Im Rahmen des Internationalen filmfest wurde der Film nun abermals in Braunschweig gezeigt. Diesmal mit der Orginalmusik aufgeführt vom Staatsorchester Braunschweig. Mit dabei der Komponist.

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there are (no) clean getaways

Faszinierend, wie ausdrucksstark ein leerer Blick sein kann …

An Ryan Gosling kommt man zurzeit nicht vorbei: Von Komödie über politisches Drama bis hin zum Actionfilm ist er in allen Genres und allen Kinosälen vertreten, auch im weniger beachteten, aber von Filmkritikern hoch gelobten Blue Valentine  spielte er die Hauptrolle. Nicht ohne Grund wird er daher als eine der größten Entdeckungen der vergangenen Jahre gehandelt.

Und obwohl ich nur Drive gesehen habe, kann ich nach 100 Minuten Ryan Gosling die Aufregung um seine Person verstehen. Nicht unbedingt die der Frauen- und Gossipmagazine, aber die der Kritiker, Schauspielkollegen, Regisseure und natürlich der Kinogänger. Unglaublich, wie ausdrucksstark er, fast ohne Worte, den namenlosen Fahrer spielt. Wie leer sein Blick dabei ist. Sekundenlange, gefühlte minutenlange, Großaufnahmen seines Profils – ohne die geringste Regung im Ausdruck – und trotzdem glaubt man, die ganze Geschichte des Mannes zu kennen.

Absolut sehenswert. Nicht nur wegen des Drivers, sondern vor allem wegen der herausragenden Regieleistung, für die Nicolas Winding Refn in Cannes zurecht mit dem Regiepreis ausgezeichnet wurde. Und auch wegen des Filmsettings, wegen der 80er-Jahre-Zitate, wegen der tollen Nebendarsteller, wegen …

pathetic moments

Lasst es mich so formulieren: Ich fühle mich gerade so pathetisch-melancholisch gut und gleichzeitig frei, stark und dass mich nichts erschüttern kann … irgendwie fühlt sich mein Leben jugendlich an, mit ein wenig Distanz. Also ziemlich gut. Schuld daran sind insbesondere ein Buch und ein Film.

Beim Internationalen filmfest Braunschweig habe ich Submarine gesehen. Das Spielfilmdebut des britischen Regisseurs Richard Ayoade ist ein coming-of-age Film, spielt in Wales und ist einfach großartig. Ein Film, der die Gefühle und winzigen Beobachtungen von Protagonist Oliver Tate einfängt. Ein Film, der Gefühle in Bilder umsetzen kann. Was bestimmt damit zusammenhängt, dass er im Stil von Musikvideos gedreht wurde, mit viel Feuerwerk und grellbunten Sonnenbrillen, mit Super 8-Filmschnipseln und Polaroid-Pictures, mit Slow-Motion-Momenten und Freezed Gestures. Dazu ein eigens komponierter Soundtrack, zum Teil mit Liedern von Alex Turner, Sänger der Arctic Monkeys.

Herzzerreißend, wie Außenseiter Oliver Tate seiner ebenso nerdige Klassenkameradin Jordana sein Herz schenkt und sich ihrs erkämpft. Rührend, wie er durch die tägliche Kontrolle des elterlichen Schlafzimmers deren Ehe analysiert und sie zu retten versucht. Und erfrischend, mit welcher systematischen Interpretation sein und das Leben seines Umfelds kommentiert.

 

Und passend zu diesem Film habe ich tags zuvor The Perks of Being a Wallflower (Vielleicht lieber morgen) von Stephen Chbosky zu Ende gelesen. Das Buch handelt von Charlie, dessen Verhalten tatsächlich manchmal etwas seltsam ist, und seinem Versuch, am Leben teilzunehmen. In Briefform erzählt er dem Leser das High School-Leben aus seiner Sicht, analysiert und kommentiert das Verhalten seiner Umgebung. Dabei zeigt er für jeden Verständnis, sucht nach Beweggründen und Erklärungen. Genauso wie Oliver Tate aus Submarine ist es die gewisse Naivität, das Altkluge aber auch dieses Aus-der-Welt-sein, mit der er einen sofort für sich einnimmt.

Und dann schleicht es sich von innen, aus der Bauchgegend bis in den Kopf, das Gefühl, die ganze Welt liegt vor einem mit unendlich viel Zeit, sie zu entdecken. Und dass es jetzt viel wichtiger ist, den Moment zu genießen, schließlich leuchten die knallgelben Blätter gewiss nicht mehr lange unter dem klaren Herbsthimmel.

Zeit, die Jugend zu feiern

altersbestimmung anhand des bauches

Gestern habe ich den (wahrscheinlich) letzten Harry Potter-Teil gesehen. Meine Begleitung und ich waren ganz verrückt, wir haben uns den Film nicht in 3 sondern in 2D angesehen.
Hier eine Kurzkritik:
Ich glaube, 2D war eine gute Entscheidung. Der Film war großartig gestaltet mit Effekten, die mich in den Film hineinzogen und Perspektiven, die so genau waren, dass 3D völlig überflüssig war. Soweit zur Filmästhetik.
Die Geschichte ist eher dünn bis gar nicht vorhanden. Eigentlich besteht der Film aus dem Endkampf. Keine Abenteuer, die Harry bestehen muss und die zu neuen Erkenntnissen führen.
Schade, denn so fällt der fade Beigeschmack, den die filmische Teilung des letzten Buches mit sich brachte, erst recht auf. Ganz offensichtlich wollte hier jemand Geld verdienen.
Amüsant wird es dann zum Ende des Films: Die Episode „19 years later“ ist super. Ich habe selten so gelacht. Die Protagonisten sind eindeutig erwachsen. Woran man das erkennt? Sie haben dicke Bäuche. Ob David Yates wirklich glaubt, dass ein fatsuit einen 40-Jährigen macht? Vielleicht hätten es ältere Schauspieler auch getan.