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journalism digitalism

Was auch immer die Digitalisierung mit unseren Geschäftsmodellen anrichtet, wenn wir journalistisch keinen Mist bauen, sondern eben jeden Tag exzellente Arbeit abliefern, vertrauen uns die Leute und erkennen unseren Wert.

Stefan Plöchingers Worte ins Ohr aller Journalisten, Verlegern und Entscheidern dieser Welt, dann freue ich mich schon auf mein neues Digital-Abo. Ganz vom Papier kann aber auch ich mich nicht trennen. Fürs Wochenende bleibe ich dem Zeitungspapierknistern treu …

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gelesen und für teilenswert befunden

Menschen haben kein natürliches Gespür für Wichtigkeiten. […] Die Leistung der Redaktion ist die Einschätzung. Was ist wichtig? Was ist Unsinn? Was ist anders, als es aussieht? Für diese Einschätzungsgabe arbeiten Redakteure mitunter jahrelang. In Ausbildungen. In Praktika. Im Selbstversuch, meinetwegen. Die Gefahr des Mitmach-Web ist also nicht in erster Linie ein Problem der Arbeitsplätze, sondern der Verlust jeglicher intersubjektiver Wahrnehmung. Wenn die Basis der Beobachtung wegfällt, ist Information wertlos. Wir sind nicht in der Lage, die Schnittmenge aus sechs Milliarden Weltbeobachtungen täglich selbst zu bilden. Deshalb gibt es Medien.

(Thomas Holzinger und Martin Sturmer in Die Online-Redaktion)

#aufschrei

Ich gebe zu, ein wenig spät dran zu sein. Vieles wurde schon gesagt über Herrenwitze und Mitarbeiterinnen in kurzen Röcken, vieles wurde missverstanden, manches aus dem Weg geräumt. Eigentlich wollte ich mich nicht zur #aufschrei-Debatte äußern. Nicht, weil ich sie für überzogen oder falsch halte. Einfach deshalb, weil mir die Dichotomie, die im Zuge der Diskussion aufgemacht wird, schwer über die Lippen kommt. Überspitzt heißt es: Männer machen Herrenwitze über Frauen in zu enger Bluse und zu engem Rock. Weiterlesen

wissen macht den unterschied

… sagt Stefan Plöchinger in einer sehr gelungenen Serie über die Qualität Onlinejournalismus. In fünf Teilen und einem Bonustext analysiert er die deutsche Journalismuslandschaft im Netz. Er möchte Qualität messbar machen, dafür untersucht er Onlinetexte in ihrem Zusammenspiel mit Quantität, dem Zeitfaktor, der Qual, Innovation, Wiederverwertung und – am wichtigsten – dem Nutzer. Sehr präzise. Verständlich und leicht zu lesen. Und trotz des eher trockenen Themas wirklich anschaulich, wie zum Beispiel dieser Einstieg:

Der Mann, nackt, sitzt aufrecht im Ehebett, die Enttäuschung ist ihm ins Gesicht geschrieben. „Och nee“, sagt er, als sich seine Frau ihres Oberteils entledigt und darunter ein großes weißes Nichts zum Vorschein kommt, „hast Du wieder Deine Brüste in der Redaktion gelassen, damit sie Klicks bringen?“

Da weiß jeder sofort Bescheid. Stefan Plöchinger ist Chefredakteur der digitalen Medien der Süddeutschen Zeitung.

r2d2 schreibt über fussball

Vor einiger Zeit habe ich Marco Maas einen unglaublich inhaltsstarken Vortrag über Datenjournalismus halten sehen und hören (wann, wo und warum und was passiert ist, kann man hier nachlesen). Um deutlich zu machen, wo Datenjournalismus eingesetzt wird und wie er sich (nach heutigem Erkenntnisstand) entwickeln wird, nannte er als Beispiel den Sportjournalismus. Maas erzählte von Spielberichte, die allein von Computer geschrieben werden – ohne dass ein Mensch auch nur eine Buchstabentaste betätigen muss. Kameras zeichnen den gesamten Spielverlauf auf, berechnen und vergleichen Daten, fassen die Ergebnisse zusammen und dann schreiben sie einen Text. Im Grunde ist es die konsequente Weiterentwicklung der Sportberichterstattung, wie wir sie alle schon im Fußball kennen. Anstelle von Beckmann, Müller-Hohenstein und den Fußballexperten Scholl und Kahn sind es nun eben Computer, die sinnentleerte Kommentare zum Spiel abgeben. Weiterlesen

looks like journalism

it´s the end of the musikzeitschrift as we know it

Wunderte ich mich noch angesichts des – sagen wir kryptisch gehaltenen – Editorials der neuesten Ausgabe der Spex (Ein Foto mit Hyazinthen, dazu ein Gruß der beiden Chefredakteure: „Liebe Leserinnen, liebe Leser, wir wünschen viel Freude mit dieser Ausgabe“), gibt mir die Wochenendausgabe vom 5./6. Mai der Süddeutschen Zeitung einen Hinweis: Wibke Wetzker und Jan Kedves werden ersetzt durch Torsten Groß, ein ehemaliger Rolling Stone-Redakteur. Daraufhin habe, so die SZ, die gesamte Redaktion gekündigt.

Und ich bin wütend. Weiterlesen

web vs. guttenberg

Rund 900.000 Personen weniger als noch 2010 lesen Tageszeitungen. Ein ziemlicher Verlust, vor allem bei den Regionalzeitungen. Überregionale Zeitungen konnten nämlich – im Gegensatz zu den regionalen Blättern – Leser gewinnen. Die Media Analyse zitiert Gerhard Müller, den Vorstand Tageszeitungen der ag.ma. Der sagt, dass die Reichweite insgesamt nicht sinke, sie verlagere sich nur ins Internet. Das dies keine befriedigende Antwort ist, steht außer Frage. In seinem Blog Gedankenstrich.org fasst Jan-Felix Schrape Thesen zum Thema Web vs. Zeitung zusammen: » Web vs. Massenmedien: Zurück zum Kaffeehaus?.

Ich glaube, dass das Web die Printmedien auf keinen Fall ablösen wird. Zumindest nicht in der Form Social Media statt Zeitungsartikel. Ein 140 Zeichen langer Tweet kann schließlich nur eine Aktualisierung oder einen Hinweis auf eine Nachricht geben, das was sie ausmacht – Hintergrund, Verortung, in Teilen eine Analyse – wird weiter in Artikeln ausgeführt werden müssen. Eine Konkurrenz zwischen Social Media und klassische Medien sehe ich nicht, eher eine Ergänzung des Journalismus.