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#zeitkiller

Achtung, dies wird ein Blogeintrag über das böse, böse Internet. Einer, der schon hundertfach von anderen geschrieben wurde. Aber ich möchte mich einreihen in die Warteschlange des Lebens.

Ich habe frei. Einen Tag ganz allein für mich. Es ist acht Uhr in der früh und ich bin wach. Ich habe keine konkreten Pläne für heute, deshalb koche ich mir einen Kaffee und hole den Laptop ins Bett. Ich checke meine Mails. Ich überfliege meine favorisierte Nachrichtenseite. Ich checke Facebook.

8.30 Uhr. Die Sonne scheint, ich könnte laufen gehen. Zuerst beantworte ich aber die Facebook-Nachrichten. Weiterlesen

gelesen und für teilenswert befunden

Menschen haben kein natürliches Gespür für Wichtigkeiten. […] Die Leistung der Redaktion ist die Einschätzung. Was ist wichtig? Was ist Unsinn? Was ist anders, als es aussieht? Für diese Einschätzungsgabe arbeiten Redakteure mitunter jahrelang. In Ausbildungen. In Praktika. Im Selbstversuch, meinetwegen. Die Gefahr des Mitmach-Web ist also nicht in erster Linie ein Problem der Arbeitsplätze, sondern der Verlust jeglicher intersubjektiver Wahrnehmung. Wenn die Basis der Beobachtung wegfällt, ist Information wertlos. Wir sind nicht in der Lage, die Schnittmenge aus sechs Milliarden Weltbeobachtungen täglich selbst zu bilden. Deshalb gibt es Medien.

(Thomas Holzinger und Martin Sturmer in Die Online-Redaktion)

wissen macht den unterschied

… sagt Stefan Plöchinger in einer sehr gelungenen Serie über die Qualität Onlinejournalismus. In fünf Teilen und einem Bonustext analysiert er die deutsche Journalismuslandschaft im Netz. Er möchte Qualität messbar machen, dafür untersucht er Onlinetexte in ihrem Zusammenspiel mit Quantität, dem Zeitfaktor, der Qual, Innovation, Wiederverwertung und – am wichtigsten – dem Nutzer. Sehr präzise. Verständlich und leicht zu lesen. Und trotz des eher trockenen Themas wirklich anschaulich, wie zum Beispiel dieser Einstieg:

Der Mann, nackt, sitzt aufrecht im Ehebett, die Enttäuschung ist ihm ins Gesicht geschrieben. „Och nee“, sagt er, als sich seine Frau ihres Oberteils entledigt und darunter ein großes weißes Nichts zum Vorschein kommt, „hast Du wieder Deine Brüste in der Redaktion gelassen, damit sie Klicks bringen?“

Da weiß jeder sofort Bescheid. Stefan Plöchinger ist Chefredakteur der digitalen Medien der Süddeutschen Zeitung.

r2d2 schreibt über fussball

Vor einiger Zeit habe ich Marco Maas einen unglaublich inhaltsstarken Vortrag über Datenjournalismus halten sehen und hören (wann, wo und warum und was passiert ist, kann man hier nachlesen). Um deutlich zu machen, wo Datenjournalismus eingesetzt wird und wie er sich (nach heutigem Erkenntnisstand) entwickeln wird, nannte er als Beispiel den Sportjournalismus. Maas erzählte von Spielberichte, die allein von Computer geschrieben werden – ohne dass ein Mensch auch nur eine Buchstabentaste betätigen muss. Kameras zeichnen den gesamten Spielverlauf auf, berechnen und vergleichen Daten, fassen die Ergebnisse zusammen und dann schreiben sie einen Text. Im Grunde ist es die konsequente Weiterentwicklung der Sportberichterstattung, wie wir sie alle schon im Fußball kennen. Anstelle von Beckmann, Müller-Hohenstein und den Fußballexperten Scholl und Kahn sind es nun eben Computer, die sinnentleerte Kommentare zum Spiel abgeben. Weiterlesen

looks like journalism

zwitschernde scheinöffentlichkeit

Eine Twitterwall verhält sich zum Großereignis wie der Jutebeutel zum Großstädter: Wer mitschwimmen will im Coolnessbecken, sollte eine(n) haben. Und so projizert auf jeder großen, mittelgroßen und kleinen Konferenz, bei jeder Diskussionsrunde und überall dort, wo es um „irgendwas mit Medien“ geht, ein Beamer die getwitterten Statements an eine Wand. Damit alle teilhaben können an dem, was die Twitterer unter sich kommunizieren.

Nur der Oberhipster macht wieder alles anders: Die analoge Twitterwall auf der re:publica 2012 (via Spreeblick).

„Twitterer unter sich“ –  an sich ist das eine paradoxe Aussage.

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i share therefore i am

Sherry Turkle erwischt einen wunden Punkt. „I’d rather text than talk“ offenbart sie während des Vortrags auf der TED Conference im März 2012. Und ich fühle mich ertappt. Bin ich letztens nicht erst im Club einer neuen Bekanntschaft aus dem Weg gegangen, um dann nachts, kurz vorm Einschlafen, dem Bekannten auf Facebook zu schreiben, was er verpasst hat, wie schade es war, dass er nicht dabei sein konnte, aber das nächste Mal bestimmt … Als ich also die Chance auf eine reale Kommunikation mit einem physischen Gegenüber verstreichen ließ, formte ich in meinem Kopf schon die Facebook-Nachricht und den Tweet, den ich später möglicherweise versenden würde.

Und das macht mir Angst. Nicht, weil ich glaube würde, dass soziale Netzwerke per se böse sind, ich glaube, dass sie mein Leben deutlich vereinfachen. Aber der Ansatz, eine virtuelle spätere Situation einer Hier-und-Jetzt-Situation vorzuziehen, das halte ich für bedenklich. Sicher, oft kommt das nicht vor, wahrscheinlich habe ich das Gespräch im Club auch deshalb nicht geführt, weil mir etwas am Gegenüber nicht passte. Und trotzdem, habe ich verlernt, Dinge auszuhalten?

Ist etwas, das auf den ersten Blick nicht perfekt passt, gleich nicht würdig, sich damit zu beschäftigen? Das berührt ja nicht nur Dinge wie das Kennenlernen von Menschen, das Zuhören in Konferenzen, das Beobachten der Umgebung während des Wartens, sondern und vor allem auch das Konsumieren von Nachrichten, das Beschaffen von Informationen und die Ausbildung von Meinungen.

Die Tendenz, sich in Technik zu flüchten und das analoge Leben zu verlassen, Dinge nicht aushalten zu müssen und Situationen perfekt auf die eigenen Bedürfnisse zuzuschneiden, davor habe ich Angst. Angst, einen Teil jahrtausendalter Kultur zu verlieren. Nicht mehr allein sein zu können, sondern einsam zu werden.

überall games, games, games …

So kann man auch unliebsame Werbung loswerden:

Just One More Game …

Sam Anderson spielt ziemlich viel auf seinem iPhone. Eigentlich ständig und vor allem „stupid games“. Dabei hat er sich als junger Erwachsener  geschworen, keine Videospiele mehr zu spielen. In dem Artikel auf nytimes.com erzählt er, wie irgendwie seine Kinder Schuld am neuen Suchtverhalten sind. Und nebenbei führt er den Leser in die Geschichte des Spielens ein.

(Highlight des Artikels ist aber definitiv das „stupid game“)

sag ruhig wir

Wir benutzen das Internet nicht, wir leben darin und damit. Das Internet ist für uns keine Technologie, deren Beherrschung wir erlernen mussten und die wir irgendwie verinnerlicht haben. Das Netz ist ein fortlaufender Prozess, der sich vor unseren Augen beständig verändert, mit uns und durch uns.

Piotr Czerski spricht in Wir, die Netz-Kinder aus, was ich denke. Treffendere Worte hätte ich nicht finden können.