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zwitschernde scheinöffentlichkeit

Eine Twitterwall verhält sich zum Großereignis wie der Jutebeutel zum Großstädter: Wer mitschwimmen will im Coolnessbecken, sollte eine(n) haben. Und so projizert auf jeder großen, mittelgroßen und kleinen Konferenz, bei jeder Diskussionsrunde und überall dort, wo es um „irgendwas mit Medien“ geht, ein Beamer die getwitterten Statements an eine Wand. Damit alle teilhaben können an dem, was die Twitterer unter sich kommunizieren.

Nur der Oberhipster macht wieder alles anders: Die analoge Twitterwall auf der re:publica 2012 (via Spreeblick).

„Twitterer unter sich“ –  an sich ist das eine paradoxe Aussage.

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überall games, games, games …

So kann man auch unliebsame Werbung loswerden:

Just One More Game …

Sam Anderson spielt ziemlich viel auf seinem iPhone. Eigentlich ständig und vor allem „stupid games“. Dabei hat er sich als junger Erwachsener  geschworen, keine Videospiele mehr zu spielen. In dem Artikel auf nytimes.com erzählt er, wie irgendwie seine Kinder Schuld am neuen Suchtverhalten sind. Und nebenbei führt er den Leser in die Geschichte des Spielens ein.

(Highlight des Artikels ist aber definitiv das „stupid game“)

eigentlich sind wir erwachsen

Eigentlich sollten wir erwachsen werden steht da, unübersehbar, auf jedem Titel des einzigen nicht spartengebundenen Magazins Deutschlands für Frauen und Männer – oder besser für Mädchen und Jungs. Erwachsenwerden ist schließlich was für Spießer. Wie lässt es sich sonst erklären, dass in den vergangenen Jahren alles dafür getan wird, jugendlich, wild und knackig rüberzukommen. Hollywoods Schönheitswahn und der Wettstreit um den jüngsten Liebhaber zwischen Demi Moore, Madonna und ihren vielen Nachahmerinnen mal außen vor gelassen. Das hat etwas mit fehlendem Selbstbewusstsein zu tun.

Nein, ich meine die Bemühungen von uns allen, möglichst cool, unkompliziert und jung zu erscheinen. Und man alles dafür tut, nicht langweilig zu werden. Bloß nicht nach dem Büro nach Hause und auf dem Sofa einschlafen, die Pantoffel ordentlich neben dem Couchtisch stehend. In der Mode helfen dagegen neonfarbene Oberteile oder, für die, die nicht ganz so mutig sind, bunte Accessoires. Wohnen sollte man in einer hippen Gegend, spärlich eingerichtet, möglichst kein Bett sondern nur eine Matratze auf dem Boden. Rückenprobleme sind was für später. Weiterlesen

engel links, teufel rechts … oder so

Zur Zeit herrscht eine ziemliche Aufregung, wenn es um „das Internet“ geht: Google ändert zum 1. März seine Datenschutzbestimmungen, Facebook führt die Chronik sukzessive für alle ein und ein deutscher Politiker prophezeit den Untergang der Netzkultur. Letzteres wird definitiv nicht eintreten, für Erstaunen hat die Aussage dennoch gesorgt. Eine weit hitzigere Diskussion wird derweil um die ersten beiden Punkte geführt.

Vereinfacht gesagt stehen sich zwei Positionen gegenüber: Die Sorglosen und die Besorgten. Den Sorglosen ist es egal, dass Google und Facebook munter Daten sammeln. Nutzen können die Firmen sowieso nur die wenigsten Informationen und was in Zukunft damit passiert, ist … nun mal Zufkunftsmusik. Die Besorgten hingegen sehen hinter jeder 0 und 1, die sie im Netz hinterlassen, einen Angriff auf ihre Persönlichkeit und es gilt für sie, die Hoheit über alle Daten zu behalten.

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verdammt, ich weiß! also lasst mich in ruhe

Bevor ich jemanden verletze oder etwas zerstöre, wird es Zeit, dass ich mich mal empöre! Und zwar über die endlos nervigen Besserwisser, Datenschützer, Mein-Wohl-Woller: Lasst mich in Ruhe! Und liebe Redakteure: Springt doch nicht alle auf diesen Kreuzug gegen das Internet auf! Als gäbe es nichts Wichtigeres, über das es zu berichten lohnt.

Ich bin gebildet und alt genug. Ich weiß, dass Facebook all meine Daten speichert! Ich weiß, dass Google wahrscheinlich mehr Dinge über mich weiß als ich selbst. Und ja, ich bin doof genug, mich immer wieder bei neuen Plattformen anzumelden, auch wenn ich diese nicht lange nutzen werde. Dann weiß wieder jemand mehr, dass ich weiblich bin. So what? Die unbekannte Dame, die mir heute über den Weg gelaufen ist, die weiß das auch. Mein Geburtsdatum? Suchen Sie sich eins aus, liebe Datenverwalter! Und dass ein weibliches Wesen mit dieser IP-Adresse, das wahrscheinlich Maria heißt (dieser Name wird nunmal ziemlich oft eingegeben, aber ganz sicher können sich die Verwalter da auch nicht sein), besonders häufig Seiten von Netzwerken, Informationsmedien, Musikzeitschriften und Modeblogs aufruft – oh Wunder, sie ist tatsächlich weiblich!

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das große heldensterben

Es ist ein bisschen früh für ein Jahresrückblick und ein bisschen spät für ein Jahrzehnterückblick. Aber dieser Sommer hat mir unmissverständlich gezeigt, dass die Nuller-Jahre endgültig vorbei sind. Nicht, dass ich sie unbedingt zurück haben wollte, cool geht anders und (welt)politisch waren sie ja eher ein Fiasko. Und trotzdem, die Nuller haben mich mehr geprägt, als mir lieb ist. Schließlich bin ich in ihnen erwachsen geworden. Abi, Studium, ausziehen, alleine wohnen, WG, neue Stadt (Stadt!), neue Freunde, Abschluss, neue Stadt, erster Job, neue Freunde – neues Leben. Alles zwischen 2004 und 2009. Wenn das nicht prägt.

Und jetzt, soll all das vorbei sein? Wo sind meine Helden von früher? Was machen die Bands, die mir damals Trost spendeten? Was machen die Schauspieler, die ich heiraten wollte? Fangen wir mit letzteren an: Sie sind vertillschweigert. Spielen mit bei Keinohrhasen. Sie schreiben Drehbücher, führen Regie und übernehmen die Hauptrolle in so genannten romantischen Komödien. Sie machen den Klassenclown im privatisierten Vorabendprogramm.

Warum? Wer will das sehen?

Und die Musiker? Wo sind die Bands mit Profil? Und wenn es Arschlöcher wie Oasis waren, wenigstens standen die Gallagher-Brüder für etwas. Und heute? All die indieelektropoppostpunk Bands, die gleich klingen und die die Rockklischees in gut, weniger gut bis meistens schlecht inszenieren. Deren Unterschied noch nichtmal in der Frisur sondern höchstens in der Nuance der schwarzen bzw. grauen Hose liegt. Nunja, allemal besser, als Casper, der versucht mit Texten, die Virginia Jetzt durch den Reißwolf jagen würden, und Crossover-Linkin-Park-Musik, die schon in den 00er schlecht war, den deutschen HipHop zu retten. Wie schön waren die Konzerte von Dave Grohl, als sie noch etwas bedeuteten. Wie aufregend die erste Frickel-Musik, wie schweißtreibend der Disco-Punk von DFA.

Und jetzt? Laufe ich Gefahr auf Nuller-Party-Reihen zu tanzen? Mir Samstag- und Sonntagnachmittag schlechte Spielfilme im Fernsehen anzusehen. Zum Glück gibt es da neue Helden, über die ich in ein paar Jahren einen ähnlichen Text schreiben kann. Seid mir nicht böse, ihr Nuller-Helden, aber dies hier ist mein Abschiedsbrief. Es hat Spaß gemacht.

i am photography

Der exzessive Gebrauch von Fotoapparaten und Handykameras bei Konzerten, Sportveranstaltungen oder ähnlichen Ereignissen hat mittlerweile dazu geführt, dass die Musiker zurückschießen: bewaffnet mit digitalen Aufnahmegeräten fotografieren und filmen sie die Menge oder rufen zum kollektiven Fotografieren auf. Der eigene Moment wird dadurch zur Massenware, zum kollektiven Einfrieren eines Augenblicks, den Tausende gleich erleben.

Abgelenkt durch die Technik kann der Fotograf oder Filmer den fotografierten Moment gar nicht erleben. Die Technik schiebt sich zwischen ihm und das Ereignis. Natürlich, es bleibt der subjektiv gewählte Bildausschnitt, trotzdem bleibt es ein Ausschnitt, der das Ereignis nicht in Gänze wiedergibt. Das Ereignis wird in einen definierten Rahmen (3,5 Zoll) gepresst, alles, was außerhalb dieses Rahmens stattfindet, geht unter.
Es drängt sich die Frage auf, warum ein Ereignis gefilmt wird. Was bewegt Menschen, sich durch Technik vom echten Erleben zu distanzieren? Sieht man sich die Bilder/Filme zu Hause noch einmal an? Wie steuern sie die Erinnerung? Mit welcher Bedeutung werden sie aufgeladen.

Zum einen bleibt die grundlegende Funktion der Fotografie: Sie archiviert einen Moment, hält ihn für die Nachwelt fest, tötet ihn und macht ihn gleichzeitig unsterblich.

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don´t believe the hype

So, dieses google+ nun. Soll ja das bessere Facebook sein. Eigentlich soll es das bessere Internet sein. Es kribbelt in meinen Fingern, ich würde ja gerne dabeisein – die Revolution sozusagen hautnah miterleben. Zum Glück siegen manchmal die leisen Stimmen im Kopf.
Besser zusammenfassen als mbiebusch hätte ich es auch nicht können:

Über Privatsphäre: Google+