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wissen macht den unterschied

… sagt Stefan Plöchinger in einer sehr gelungenen Serie über die Qualität Onlinejournalismus. In fünf Teilen und einem Bonustext analysiert er die deutsche Journalismuslandschaft im Netz. Er möchte Qualität messbar machen, dafür untersucht er Onlinetexte in ihrem Zusammenspiel mit Quantität, dem Zeitfaktor, der Qual, Innovation, Wiederverwertung und – am wichtigsten – dem Nutzer. Sehr präzise. Verständlich und leicht zu lesen. Und trotz des eher trockenen Themas wirklich anschaulich, wie zum Beispiel dieser Einstieg:

Der Mann, nackt, sitzt aufrecht im Ehebett, die Enttäuschung ist ihm ins Gesicht geschrieben. „Och nee“, sagt er, als sich seine Frau ihres Oberteils entledigt und darunter ein großes weißes Nichts zum Vorschein kommt, „hast Du wieder Deine Brüste in der Redaktion gelassen, damit sie Klicks bringen?“

Da weiß jeder sofort Bescheid. Stefan Plöchinger ist Chefredakteur der digitalen Medien der Süddeutschen Zeitung.

vom mixtape zum leben

Thomas Hübener schreibt in der aktuellen Spex über digitale Mixtapes und die Rolle, in die der Rezipient gezwängt wird. Der Zuhörer wird zum Produzenten. Der Verleger/Produzent/Hersteller/Labelboss/Trendscout/Journalist/Brötchenverkäufer/… (die Liste lässt sich endlos weiterführen und ist auf alle Lebensbereiche übertragbar) trägt keine Verantwortung mehr. Kunst on demand. Eine treffende Beobachtung:

„Anders als beim persönlichen Mixtape bleiben böse Überraschungen – zum Beispiel das U2-Stück auf dem Bitte-komm-zurück-Tape – aus. Der Haken: gute Überraschungen leider auch. Oder genauer: Überraschungen bleiben überhaupt auf der Strecke. Und das ist eine Signatur unserer Zeit. Die Reibung an etwas, das nicht auf den ersten Blick gefällt, fällt zunehmend weg. Deshalb kauft oder klickt man lieber, was Kunden kauften oder klickten, die kauften oder klickten, was man selbst kaufte oder klickte. Das Bewusstsein, dass die Liebe zu einem Künstler auch mit Arbeit verbunden sein kann, dass man sich ein Stück manchmal schönhören muss, oder – übertragen auf Literatur – dass man sich durch die ersten 100 Seiten eines Buches vielleicht ein wenig quält, dann aber umso höheren Lohn erhält, ist im Schwinden begriffe. Das Kunsterlebnis wird mit so viel Gleitgel bestrichen, dass es auch die letzten Reste von Konfrontativität und Gefahr verliert. Das leistet einer Skipatasten-Mentalität Vorschub, die alles, was nur ein wenig anders ist als gewohnt, ausblendet. Kann das gut sein?“
(Thomas Hübener, Digitaler Bandsalat, erschienen in Spex #337)

punkte für poeten

Sie versammeln sich alle beim arte Webslam: die besten Poeten Deutschlands. Beeindruckend, wie sie mit Sprache und Rhythmus Texte erschaffen, die Götter (Renato Kaiser) nicht besser hätten dichten können. Manchmal kommt Philosophie heraus wie bei Theresa Hahl:
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Manchmal rocken die selbsternannten Kunstrapper TTZ den Saal:
http://download.creative.arte.tv/creative/flash/player.swf?videoId=4747&admin=false&mode=prod&embed=true&appContext=creative

Wie oft darf man die Höchstpunktzahl vergeben?