Getagged: erleben

wenn einer eine reise tut …

dann tut er das häufig mit der Deutschen Bahn. Und es ist so, als würde man mit dem Eintritt in den Zug in ein Paralleluniversum eintreten.

Je nach Beweggrund der Reise und der Art des Zuges ändert sich das Universum. Morgens zum Beispiel, in einer Regionalbahn kurz vor sieben. Da sitzen die anonymen Pendler, das Frühstück in leuchtend gelber Pappe und Papiertüten. Weiterlesen

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#aufschrei

Ich gebe zu, ein wenig spät dran zu sein. Vieles wurde schon gesagt über Herrenwitze und Mitarbeiterinnen in kurzen Röcken, vieles wurde missverstanden, manches aus dem Weg geräumt. Eigentlich wollte ich mich nicht zur #aufschrei-Debatte äußern. Nicht, weil ich sie für überzogen oder falsch halte. Einfach deshalb, weil mir die Dichotomie, die im Zuge der Diskussion aufgemacht wird, schwer über die Lippen kommt. Überspitzt heißt es: Männer machen Herrenwitze über Frauen in zu enger Bluse und zu engem Rock. Weiterlesen

where have all the poets gone

Jetzt hat sogar schon die lokale Tageszeitung über den Poetry Slam am vergangenen Wochenende berichtet. Dabei sollte man doch meinen, die Netzkultur sei schneller. Ist sie auch, nur ich eben nicht immer. Trotzdem möchte ich hier noch meine Sicht des Braunschweiger Slams vom 17.2.2012 loswerden.

Dabei geht es mir nicht um die Veranstaltung an sich, sondern eher um die Entwicklung der Poetry Slam-Kultur im Allgemeinen. Kurz vorweg: Das neue Konzept mit neuem Moderator und mit musikalischer Begleitung hat dem Poetry Slam sichtlich gut getan. Slammaster Dominik Bartels konnte den Spannugsbogen über den gesamten Abend – gut dreieinhalb Stunden – halten, hat das Publikum mit seiner charmanten Art unterhalten und gleichsam den Slammern in ihren Persönlichkeiten genügend Raum gegeben. Vor allem aber waren die Texte der Poetry Slammer ausgewogen und qualitativ auf einem durchaus respektablen Niveau.

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i am photography

Der exzessive Gebrauch von Fotoapparaten und Handykameras bei Konzerten, Sportveranstaltungen oder ähnlichen Ereignissen hat mittlerweile dazu geführt, dass die Musiker zurückschießen: bewaffnet mit digitalen Aufnahmegeräten fotografieren und filmen sie die Menge oder rufen zum kollektiven Fotografieren auf. Der eigene Moment wird dadurch zur Massenware, zum kollektiven Einfrieren eines Augenblicks, den Tausende gleich erleben.

Abgelenkt durch die Technik kann der Fotograf oder Filmer den fotografierten Moment gar nicht erleben. Die Technik schiebt sich zwischen ihm und das Ereignis. Natürlich, es bleibt der subjektiv gewählte Bildausschnitt, trotzdem bleibt es ein Ausschnitt, der das Ereignis nicht in Gänze wiedergibt. Das Ereignis wird in einen definierten Rahmen (3,5 Zoll) gepresst, alles, was außerhalb dieses Rahmens stattfindet, geht unter.
Es drängt sich die Frage auf, warum ein Ereignis gefilmt wird. Was bewegt Menschen, sich durch Technik vom echten Erleben zu distanzieren? Sieht man sich die Bilder/Filme zu Hause noch einmal an? Wie steuern sie die Erinnerung? Mit welcher Bedeutung werden sie aufgeladen.

Zum einen bleibt die grundlegende Funktion der Fotografie: Sie archiviert einen Moment, hält ihn für die Nachwelt fest, tötet ihn und macht ihn gleichzeitig unsterblich.

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und jetzt geradeaus in die welt, bitte

Das Wochenende habe ich an der HBK verbracht, zum Rundgang =  Kunstgucken, Zuhören und Tanzen. Am Ende des Sommersemesters zeigen die jungen Künstler der Öffentlichkeit, woran sie gearbeitet haben. Und das ist einfach sehr gut. Grundklassen neben Diplomarbeiten, den Unterschied sieht man manchmal, aber nicht immer.

Es ist schon erstaunlich, was die Studenten auf die Beine stellen, austellen, vorstellen. Ziemlich viel nämlich. Ich denke, niemand hat es geschafft, alles zu sehen. Ich zumindest nicht, obwohl ich an vier von fünf Tagen dort war.

Und jetzt sitze ich hier und weiß nicht, wo ich anfangen soll, was erzählen, was weglassen. Weiterlesen

ein traum vom besonderen leben

all die Momente, die großen Wünsche und die bitteren Enttäuschungen ebenso wie die alltäglichen kleinen wiederkehrenden Rituale, sie alle zusammen werden getragen von unserer Sehnsucht nach diesem einen ganz besonderen Leben, der Hoffnung auf ein Etwas, das mich zu diesem einen bestimmten Ich macht.

Das nennt man Leben. Oder?

Ich war im Tanztheater, in Final Fiction von Jan Pusch.
Worum es in dem Stück geht? Um alles und nichts: Um das Leben, um das Streben nach dem Besonderen des Ichs. Oder eben einfach nur um den grandiosen Tanz des Ensembles.

Denn tanzen können sie. Gebannt verfolgt man den fast artistischen Bewegungen der TänzerInnen. Fließend und federleicht sehen sie aus, selbst bei den „abgehackten“ Bewegungen zum elektronischen Beat. Und überhaupt der Beat – die Musik von Beat Halberschmidt (ein wohl überlegter Name) zieht einen in den Tanz  hinein. 80 Minuten staunt man und ist begeistert, allein die Geschichte hinter dem Tanzstück findet keinen Anfang, kein Ende und keine Auflösung.

Trotzdem ein sehenswertes Stück, das auch noch in der Spielzeit 2011/12 läuft.