satire in schriftform

Weil ich es so unglaublich finde, hier noch einmal der Verlauf des #Grass-Gedichts zur Europakrise:

  • Veröffentlichung in der Süddeutschen Zeitung (Printausgabe 26./27./28. Mai 2012; online 25. Mai 2012).
  • Glosse von Volker Wiedermann auf FAZ.net (26. Mai 2012) und in der FAS (27./28. Mai 2012), allerdings ohne den Vorspann mit dem verräterischem Wort „hätte“.
  • Auf Twitter verbreitet sich das Gerücht, die FAZ berichte, dass die SZ auf einen Titanic-Streich hereingefallen sei. Nachzulesen bei Torsten Beeck.

Abgesehen von der Sache an sich, finde ich es ebenso bedenklich, dass die Rezipienten augenscheinlich Journalisten immer weniger oder gar nicht mehr vertrauen. Galten sie vor einiger Zeit noch als „dritte Macht“, müssen sie sich nun mit dem Vorwurf auseinandersetzen, unsauber zu recherchieren, ja sogar vor Unterwanderungen nicht sicher zu sein. Das hat sicherlich mit Fehlern in diversen Redaktionen zu tun, aber auch mit dem Umstand, dass Nutzer sich (ungeprüft) auf Informationen aus dem Netz verlassen. Die journalistische Arbeit wird weder anerkannt noch wertgeschätzt. Das Netz suggeriert: Journalismus kann jeder. Dass Redakteure eine mehrjährige Ausbildung durchlaufen, bis ihre Texte ohne Hinterfragen erscheinen, wird öffentlich nicht wahrgenommen.
Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde die Auswirkungen, die das soziale Netz auf den Journalismus hat, im Allgemeinen durchaus begrüßenswert, allerdings sollten nicht alle Entwicklungen kritiklos hingenommen werden.