Kategorie: denken

die öffentlich-rechtliche mär einer natürlichen gesellschaft

Als gestern Nacht zwischen 23.10 Uhr und 0.25 Uhr laute Empörungsrufe aus meinem Wohnzimmer erschallten, war es mitnichten ein Fußball-Fan der die Zusammenfassung des DFB-Pokal Spiels vom Abend sah. Nein. Ich habe vielmehr versucht, die Gesellschafts-Talkrunde Menschen bei Maischberger zu sehen.

Thema sollte der baden-württenbergische Bildungsplan sein, der vorsieht sexuelle Vielfalt im Unterricht zu behandeln. Nur – leider ging es nicht darum. Weiterlesen

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#zeitkiller

Achtung, dies wird ein Blogeintrag über das böse, böse Internet. Einer, der schon hundertfach von anderen geschrieben wurde. Aber ich möchte mich einreihen in die Warteschlange des Lebens.

Ich habe frei. Einen Tag ganz allein für mich. Es ist acht Uhr in der früh und ich bin wach. Ich habe keine konkreten Pläne für heute, deshalb koche ich mir einen Kaffee und hole den Laptop ins Bett. Ich checke meine Mails. Ich überfliege meine favorisierte Nachrichtenseite. Ich checke Facebook.

8.30 Uhr. Die Sonne scheint, ich könnte laufen gehen. Zuerst beantworte ich aber die Facebook-Nachrichten. Weiterlesen

wenn einer eine reise tut …

dann tut er das häufig mit der Deutschen Bahn. Und es ist so, als würde man mit dem Eintritt in den Zug in ein Paralleluniversum eintreten.

Je nach Beweggrund der Reise und der Art des Zuges ändert sich das Universum. Morgens zum Beispiel, in einer Regionalbahn kurz vor sieben. Da sitzen die anonymen Pendler, das Frühstück in leuchtend gelber Pappe und Papiertüten. Weiterlesen

gelesen und für teilenswert befunden

Menschen haben kein natürliches Gespür für Wichtigkeiten. […] Die Leistung der Redaktion ist die Einschätzung. Was ist wichtig? Was ist Unsinn? Was ist anders, als es aussieht? Für diese Einschätzungsgabe arbeiten Redakteure mitunter jahrelang. In Ausbildungen. In Praktika. Im Selbstversuch, meinetwegen. Die Gefahr des Mitmach-Web ist also nicht in erster Linie ein Problem der Arbeitsplätze, sondern der Verlust jeglicher intersubjektiver Wahrnehmung. Wenn die Basis der Beobachtung wegfällt, ist Information wertlos. Wir sind nicht in der Lage, die Schnittmenge aus sechs Milliarden Weltbeobachtungen täglich selbst zu bilden. Deshalb gibt es Medien.

(Thomas Holzinger und Martin Sturmer in Die Online-Redaktion)

gender wars

Zwei Anekdoten dieser Woche:

Die Universität Leipzig hat das generische Femininum eingeführt. Die weibliche Form wird von nun an in der Grundordnung angewandt. Nüchtern betrachtet, ist es aber völlig egal, welches Geschlecht dort genannt wird – die Grundordnung werden die wenigsten Studierenden oder außeruniversitären Personen je zu Gesicht bekommen. Dennoch hat diese Entscheidung – zu Recht – für Aufsehen gesorgt. Und egal wie mutig, sinnvoll, überfällig und einleuchtend man die Entscheidung des Senats hält, etwas komisch mutet es doch an, wenn von nun an von männlichen Professorinnen gesprochen wird.

In einer Zielgruppenanalyse sollte die Zielgruppe für eine neue App ermittelt werden. Weil zwei Drittel, also mehr als die Hälfte der Smartphone-Nutzer (und somit potentiellen Kunden), männlich sind, wurden die Frauen in der weiteren Analyse einfach übergangen. Nach Feststellung der männlichen Dominanz im Smartphonemarkt kamen Frauen in der Analyse gar nicht mehr vor, weder in der weiblichen oder neutralen Form, noch in den Handlungsempfehlungen. Daraus schließend lässt sich also feststellen, dass Apps  ausschließlich für Männer gemacht sind, auch und gerade die App Barbie Fashionistas. Kann man ja mal behaupten.

Es gibt noch viel zu tun, für die Geschlechterverständigung … vielleicht ein wenig Judith Butler zum Einstieg? Das wäre zumindest ein Anfang.

do something

Quelle: http://www.interiorsuk.com/g/2012/logos/karine_kong__make_things_happen.jpg

Karine Kong

Man müsste einfach mehr Zeit haben. Mehr Zeit für die Zeitung am Frühstückstisch. Mehr Zeit zum Skypen mit der Freundin im Ausland. Mehr Zeit für den Roman auf dem Nachttisch, fürs Longboardfahren-lernen, zum Im-Park-liegen, zum Leben.

Aufstehen, ins Büro fahren, arbeiten, nach Hause fahren, vielleicht noch zum Sport oder doch lieber durch das Fernseherprogramm (ab)schalten und dann schlafen. Überhaupt mal schlafen. Ständig bin ich müde. Und das, obwohl es so viel zu tun gäbe. Da wartet die berufliche Weiterqualifikation darauf, endlich angegangen zu werden. In Konkurrenz dazu stehen die Freunde, die ich gefühlt viel zu selten sehe. Und eben der Roman, die Idee, das Projekt …

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#aufschrei

Ich gebe zu, ein wenig spät dran zu sein. Vieles wurde schon gesagt über Herrenwitze und Mitarbeiterinnen in kurzen Röcken, vieles wurde missverstanden, manches aus dem Weg geräumt. Eigentlich wollte ich mich nicht zur #aufschrei-Debatte äußern. Nicht, weil ich sie für überzogen oder falsch halte. Einfach deshalb, weil mir die Dichotomie, die im Zuge der Diskussion aufgemacht wird, schwer über die Lippen kommt. Überspitzt heißt es: Männer machen Herrenwitze über Frauen in zu enger Bluse und zu engem Rock. Weiterlesen

r2d2 schreibt über fussball

Vor einiger Zeit habe ich Marco Maas einen unglaublich inhaltsstarken Vortrag über Datenjournalismus halten sehen und hören (wann, wo und warum und was passiert ist, kann man hier nachlesen). Um deutlich zu machen, wo Datenjournalismus eingesetzt wird und wie er sich (nach heutigem Erkenntnisstand) entwickeln wird, nannte er als Beispiel den Sportjournalismus. Maas erzählte von Spielberichte, die allein von Computer geschrieben werden – ohne dass ein Mensch auch nur eine Buchstabentaste betätigen muss. Kameras zeichnen den gesamten Spielverlauf auf, berechnen und vergleichen Daten, fassen die Ergebnisse zusammen und dann schreiben sie einen Text. Im Grunde ist es die konsequente Weiterentwicklung der Sportberichterstattung, wie wir sie alle schon im Fußball kennen. Anstelle von Beckmann, Müller-Hohenstein und den Fußballexperten Scholl und Kahn sind es nun eben Computer, die sinnentleerte Kommentare zum Spiel abgeben. Weiterlesen

looks like journalism

zwitschernde scheinöffentlichkeit

Eine Twitterwall verhält sich zum Großereignis wie der Jutebeutel zum Großstädter: Wer mitschwimmen will im Coolnessbecken, sollte eine(n) haben. Und so projizert auf jeder großen, mittelgroßen und kleinen Konferenz, bei jeder Diskussionsrunde und überall dort, wo es um „irgendwas mit Medien“ geht, ein Beamer die getwitterten Statements an eine Wand. Damit alle teilhaben können an dem, was die Twitterer unter sich kommunizieren.

Nur der Oberhipster macht wieder alles anders: Die analoge Twitterwall auf der re:publica 2012 (via Spreeblick).

„Twitterer unter sich“ –  an sich ist das eine paradoxe Aussage.

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