the sound of the artist

„Heute nachmittag durfte schon jeder, der wollte, seinen Oscar anfassen“ mit dieser eindeutig gemeinten, vom Publikum zweideutig aufgefassten Anekdote, leitete Festivalleiter Volker Kufahl einen wunderbaren Abend ein. Gemeint war der Acadamy Award für die beste Filmmusik des Komponisten Ludovic Bources. Erhalten hat er ihn für The Artist, der Film, der bei 2012 einen Oscar nach dem anderen abräumte. Im Rahmen des Internationalen filmfest wurde der Film nun abermals in Braunschweig gezeigt. Diesmal mit der Orginalmusik aufgeführt vom Staatsorchester Braunschweig. Mit dabei der Komponist.


Vorweg: Der Film war gut. Viel besser aber war die musikalische Untermalung. Hätte ich The Artist im vergangenen Jahr gesehen, regulär im Kino, er wäre in Ordnung gewesen. Aber in der Stadthalle, mit einem Orchester, lebt der Film plötzlich. Weil die Musik im selben Raum erzeugt wird – sicher, sie wird elektronisch verstärk, aber dennoch  – erreicht sie eine ganz andere Materialität und Qualität. Und damit der Film auch eine weitaus größere Intensität.

Ohne Musik funktioniert der Film nicht – ohne Ton schon. Genial, wie Regisseur Michael Hazanavicius die Einführung des Tonfilms zum Thema seines Stummfilms macht und mit Hilfe von Bources Musik beweist, dass schwarz/weiß und stumm eben doch Emotionen übermitteln können. Besonders toll eine der ersten Szenen, in der eine Filmvorführung im Film gezeigt wird.

Das Orchester, das diesen Film im Film begleitet, für den The Artist-Zuschauer in doppelter Spiegelung. Denn das, was wir hören, geschieht direkt vor uns auf der Bühne und nicht im Film.

Während der Aufführung wandert der Blick immer wieder von der Leinwand hinunter auf die Bühne zu den Musikern und dem Dirigenten. Welche Instrumente sind jetzt für diese Szene im Einsatz? Wie schaffen sei es nur, so punktgenau den Takt zu finden?

Der Film endet – wie könnte es auch anders sein – mit einem Happy End. Die Vereinigung von Stumm- und Tonfilm, vom Alt und Jung, von Mann und Frau. So viel Kitsch muss der Kinogänger aushalten. Als der Abspann dann beginnt, bleiben die Zuschauer sitzen, lauschen der Musik bis zum Schlussakkord. Gut, nicht ganz. Denn bevor der letzte Ton gespielt ist, erhebt sich frenetischer Applaus. Kaum hat sich der Dirigent umgedreht, stehen die ersten Besucher. Standing Ovations für die Künstler, die dem Stummfilm Leben einhauchten. Diesmal spielten die Musiker die Hauptrolle, keine Schauspieler. Minutenlang wird applaudiert. Dieser Abend wird den Mitwirkenden lange in Erinnerung bleiben. Mir auch.

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