sie kamen, schwitzen, eroberten

Gestern im Alten Schlachthof in Lingen.

Der Saal gut gefüllt, aber nicht ganz voll. Die Vorband Bloody Beach überraschend gut. Die Band steht schon auf der Bühne, T-Shirt und enge Jeans, so erwartbar, so normal. Dann betritt der Sänger die Bühne, leicht untersetzt, mit wenig, dafür langem Haar und einer glasklaren Stimme – der Vergleich mit Jack Black sei hier erlaubt. Musikalisch orientieren sich die vier Norweger (wie Kakkmaddafakka kommen sie aus Bergen) an tanzbarer Rockmusik. Das Publikum ist sichtlich angetan. Und gefühlt nach drei Liedern, in Wirklichkeit aber nach einer guten halben Stunde, ist ihr Auftritt schon vorbei.

Dann endlich kommen Kakkmaddafakka auf die Bühne. Ja, über den Namen müssen wir nicht sprechen. Über die Musik auch nicht so ausführlich. Denn was die fünf Musiker um die Brüder Vindenes ausmacht, ist nur in zweiter Linie die Musik. Das ist in gewisser Weise schade, denn bei all der unbekümmerten Leichtigkeit sind ihre Lieder handwerklich nicht zu unterschätzen. Und doch lebt ihre Mischung aus Indie-Rock und Disko mit einem leichten Ska-Einfluss von ihrer Simplizität. Eingängige Melodien über einen treibenden Beat mit Texten, die nach zweimaligem Hören sitzen. Damit ist das ganze Geheimnis um die Norweger gelüftet: Sie machen Party-Musik zum lautstarken Mitsingen. Zu Hause mag das schnell langweilig werden – bei Konzerten ist es genau richtig. Kakkmaddafakka sind eindeutig eine Liveband. Mit ihrer jugendlichen Energie bringen sie jeden Saal zum Kochen, im Handumdrehen haben sie die Herzen ihres Publikums erobert. Und so kommt es, dass es auch bei einem nicht ausverkauftem Konzert aus hundert Kehlen zurückschallt, wenn die Band nach einem „Ohoo“ und „Ooha“ verlangt. Gut, nicht ganz einfallsreich, aber das verzeiht man den Jungs, weil es passt. Und Spass macht. Nicht zuletzt auch wegen der großartigen Backroundtänzer. Kakkmaddafakka setzen auf männliche Tänzer. Darin kann man eine Reminiszenz an die frühen Cheerleader (ursprünglich war das Cheerleaden ausschließlich Männern vorbehalten) sehen, wahrscheinlich wollen sie aber damit nur einen ironischen Gegenpunkt zu den üblichen weiblichen Backroundsängerinnen setzen.

Was ihnen hervorragend gelingt. Die zwei/drei/vier (je nach Konzert variierend) Männer im Hintergrund machen alles, was man als Mädchen aus peinlichster Jugendzeit kennt: Ausdruckstanz erster Güte, alle Moves, die in den 90er durch Aerobic- und Musikvideos geisterten, werden vorgetanzt, beim Wort „you“ wird demonstrativ ins Publikum gezeigt. Und das Publikum macht begeistert mit. Nüchtern betrachtet ist das ziemlich albern, aber im Rausch der Musik äußerst passend und anstiftend. Ähnlich macht es auch Darwin Deez, auch seine Liveauftritte leben vom vorgeführten Ausdruckstanz, der sich immer hart an der Grenze zur Lächerlichkeit bewegt. Man kann sich bildlich vorstellen, wie sich Musiker und Tänzer abends in einer Turnhalle treffen, eine Flasche Rum trinken und sich dann eine Choreografie ausdenken. Ich wäre da gern mal dabei.

Und so kommt es, dass ich gestern einen äußerst unterhaltsamen Abend hatte. Mit Musik, Mitgröhlen und Mittanzen. Immer wieder.

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