spielend zur realität

Ziemlich eindrucksvoll und realitätsnah, dieser Trailer, dachte ich bei meinem letzten Kinobesuch während der Werbung. Und von welchem Krieg der Film wohl handeln würde. Als dann der vermeintliche Filmtitel eingeblendet wurde, war ich überrascht, dass es sich um Battlefield 3 handelte.

Dass ich mich nicht sonderlich in der Gamingszene auskenne, vor allem nicht mit Shooterspielen, mag zu dem Irrtum beigetragen haben. Aber es zeigt doch ganz deutlich, wie realitätsnah das Setting der Spiele ist. Fotorealismus ist das Paradigma der Gamesindustrie; der Spieler soll mindestens das Umfeld für echt halten. Und dass ich selbst auf der Kinoleinwand nicht bemerkt habe, dass es sich hier um programmierte Bilder handelt, bedeutet doch nur, dass die Spieleentwickler und -visualisierer ihren Job ganz schön gut machen.

Täuschend echt sieht das Spiel aus. Das geht mir seit Wochen durch den Kopf. Was bedeutet es, wenn die Spiele wie reale Ereignisse aussehen? Ich möchte jetzt keine Killerspiel-Kritik anzetteln, das können andere machen. (Alle bisherigen Untersuchungen zeigen, dass Fernsehen die Aggressivität sogar mehr erhöht als das Spielen von Ego-Shootern.) Wenngleich das ständige Herumballern den Spieler stressen muss. Aber gestresst bin ich auch vom Stroboskoplicht auf der Tanzfläche.

Interessant ist doch, wie sehr die Ästhetik der Videospiele versucht, die Realität zu kopieren. Und was jemanden dazu treibt, etwas zu spielen, was er auch real tun könnte. (Das gilt auch für dieses ganze Wii-Sport-Ding, warum sollte ich im Wohnzimmer Tennis spielen wollen, wenn doch sowieso nichts kaputt gehen kann?)

Gut, bei den Shooterspielen greift dieses Argument nicht, da ist die Frage vielmehr, warum jemand mit einem Maschinengewehr durch Straßenschluchten laufen will. Rainer Sigl hat in einem interessanten Artikel auf fm4 beschrieben, warum solche Spiele ein Werbezweig der Rüstungsindustrie sind und die Zivilkultur immer mehr militarisiert wird. Er spricht von Militainment. Lesenswert wie er argumentiert, dass das scheinbar reale Bild eines Kriegsschauplatzes eben doch nur Fiktion ist, weil es von den „unschönen“ Szenen bereinigt ist. Es gibt zum Beispiel keine Zivilisten, die somit auch nicht getötet werden können.

Aber zurück zur Eingangsfrage: Warum tauchen so viele Gamer in eine fotoreale Welt ein. Dabei ist es technisch doch möglich, ganz neue Welten zu erschaffen. Und sehr wahrscheinlich gibt es genügend Spiele, die ganz andere virtuelle Räume schaffen, als wir sie kennen. Sie kommen nur nicht in die Mitte der Gesellschaft, also bei mir, an. Und wenn man bedenkt, dass World of Warcraft-Spieler als Freaks gelten, obwohl sie eine Fantasy-Welt bespielen, die doch sehr reale Züge in ihren Regeln, Gesetzen und Bezahlsystemen hat, ist es nicht verwunderlich, dass Spiele ohne narrative oder reale Erzählung kaum eine Chance auf dem Markt haben.

Umso spannender, dass Minecraft gerade von sich reden macht. Ein Spiel, dass dem Realitätswahn trotzt und aus extra groben Pixel- und Blöcken gebaut ist. Aber auch hier wird die Realität nachgebaut. Das geht sogar soweit, dass ein Video von Usher parodiert wird (via Spreeblick).

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