verdammt, ich weiß! also lasst mich in ruhe

Bevor ich jemanden verletze oder etwas zerstöre, wird es Zeit, dass ich mich mal empöre! Und zwar über die endlos nervigen Besserwisser, Datenschützer, Mein-Wohl-Woller: Lasst mich in Ruhe! Und liebe Redakteure: Springt doch nicht alle auf diesen Kreuzug gegen das Internet auf! Als gäbe es nichts Wichtigeres, über das es zu berichten lohnt.

Ich bin gebildet und alt genug. Ich weiß, dass Facebook all meine Daten speichert! Ich weiß, dass Google wahrscheinlich mehr Dinge über mich weiß als ich selbst. Und ja, ich bin doof genug, mich immer wieder bei neuen Plattformen anzumelden, auch wenn ich diese nicht lange nutzen werde. Dann weiß wieder jemand mehr, dass ich weiblich bin. So what? Die unbekannte Dame, die mir heute über den Weg gelaufen ist, die weiß das auch. Mein Geburtsdatum? Suchen Sie sich eins aus, liebe Datenverwalter! Und dass ein weibliches Wesen mit dieser IP-Adresse, das wahrscheinlich Maria heißt (dieser Name wird nunmal ziemlich oft eingegeben, aber ganz sicher können sich die Verwalter da auch nicht sein), besonders häufig Seiten von Netzwerken, Informationsmedien, Musikzeitschriften und Modeblogs aufruft – oh Wunder, sie ist tatsächlich weiblich!

Ich weiß, dass diese Daten wahrscheinlich an andere Datensammler verkauft werden, die mir dann Werbung aufdrängen. Schlimm genug. Aber ich weiß eben, dass es Werbung ist. (Und Zalando: Ich finde eure Seite unübersichtlich, ramschig und eure Werbung ätzend! Da können noch so viele Schuhe und Kleider neben meinen Statusmeldungen blinken, ich werde nie bei euch kaufen!)

Da beklagt sich ein Max Schrems, dass Facebook seine gelöschten Daten speichert? Ups. Vielleicht hätte er aber auch einfach die AGBs lesen sollen. 1200 Din A4-Seiten sind in seinem Facebook-Leben zusammengekommen, die Frage ist, wie viele dieser Informationen einen Wert für ihn haben. Mark Zuckerberg weiß zum Beispiel nicht, zu welcher Grundschule ich gegangen bin. Und ich habe auch nicht vor, ihm das mitzuteilen.

Was mich an Facebook, Google und Konsorten stört, ist, dass sie glauben, sie wüssten, welche Informationen mich interessieren. Nein, das wissen sie nicht und diese Bevormundung finde ich auch sehr gefährlich. Ich möchte nicht bevormundet werden. Weder von Datensammlern noch von sogenannten Datenschützern.

Ich hinterlasse Spuren im Netz und bin mir dessen auch bewusst. Das ist nichts anderes als das alte Telefonbuch. Früher konnte man dort jeden finden. Mit kompletter Anschrift. Gestört hat das lange niemanden, stolz war man darüber schon eher. Und als meine Eltern heirateten, haben sie ein Aufgebot bestellt. Das – haltet euch fest – hing öffentlich am Rathaus, für jeden einsehbar also. Mit Name und Anschrift und Zeit der Hochzeit! War das Einbrecherleben damals nicht einfach! Und wo waren die Datenschützer damals?

Wir brauchen kein Medienhype oder millionenschwere Klagen gegen Facebook, was wir brauchen sind gut ausgebildete Menschen, die den anderen beibringen, verantwortungsvoll mit dem Internet umzugehen. Die auf Risiken, aber auch auf Chancen aufmerksam machen. Die wissen, wovon sie reden.

Schließlich bin ich es, die ihre Informationen im Internet preisgibt. Ich sollte wissen, was ich dort preisgebe und was mir das wert ist. Wenn ich meine Vorliebe fürs Reisen verbreite, darf ich mich nicht wundern, auf einmal Reiseangebote aufblinken zu sehen. Ich bin verantwortlich für meine virtuelle Spur, und bitte, liebe Datenschützer, nehmt mir nicht diese Verantwortung. Behandelt mich nicht wie ein Kind!

Zum Schluss noch der Hinweis auf einen lesenswerten Artikel von Annette Schwindt, die aufgelistet hat, was Facebook nicht über sie weiß. Eine ganze Menge, wie ich finde.

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