das große heldensterben

Es ist ein bisschen früh für ein Jahresrückblick und ein bisschen spät für ein Jahrzehnterückblick. Aber dieser Sommer hat mir unmissverständlich gezeigt, dass die Nuller-Jahre endgültig vorbei sind. Nicht, dass ich sie unbedingt zurück haben wollte, cool geht anders und (welt)politisch waren sie ja eher ein Fiasko. Und trotzdem, die Nuller haben mich mehr geprägt, als mir lieb ist. Schließlich bin ich in ihnen erwachsen geworden. Abi, Studium, ausziehen, alleine wohnen, WG, neue Stadt (Stadt!), neue Freunde, Abschluss, neue Stadt, erster Job, neue Freunde – neues Leben. Alles zwischen 2004 und 2009. Wenn das nicht prägt.

Und jetzt, soll all das vorbei sein? Wo sind meine Helden von früher? Was machen die Bands, die mir damals Trost spendeten? Was machen die Schauspieler, die ich heiraten wollte? Fangen wir mit letzteren an: Sie sind vertillschweigert. Spielen mit bei Keinohrhasen. Sie schreiben Drehbücher, führen Regie und übernehmen die Hauptrolle in so genannten romantischen Komödien. Sie machen den Klassenclown im privatisierten Vorabendprogramm.

Warum? Wer will das sehen?

Und die Musiker? Wo sind die Bands mit Profil? Und wenn es Arschlöcher wie Oasis waren, wenigstens standen die Gallagher-Brüder für etwas. Und heute? All die indieelektropoppostpunk Bands, die gleich klingen und die die Rockklischees in gut, weniger gut bis meistens schlecht inszenieren. Deren Unterschied noch nichtmal in der Frisur sondern höchstens in der Nuance der schwarzen bzw. grauen Hose liegt. Nunja, allemal besser, als Casper, der versucht mit Texten, die Virginia Jetzt durch den Reißwolf jagen würden, und Crossover-Linkin-Park-Musik, die schon in den 00er schlecht war, den deutschen HipHop zu retten. Wie schön waren die Konzerte von Dave Grohl, als sie noch etwas bedeuteten. Wie aufregend die erste Frickel-Musik, wie schweißtreibend der Disco-Punk von DFA.

Und jetzt? Laufe ich Gefahr auf Nuller-Party-Reihen zu tanzen? Mir Samstag- und Sonntagnachmittag schlechte Spielfilme im Fernsehen anzusehen. Zum Glück gibt es da neue Helden, über die ich in ein paar Jahren einen ähnlichen Text schreiben kann. Seid mir nicht böse, ihr Nuller-Helden, aber dies hier ist mein Abschiedsbrief. Es hat Spaß gemacht.

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