where have all the poets gone

Jetzt hat sogar schon die lokale Tageszeitung über den Poetry Slam am vergangenen Wochenende berichtet. Dabei sollte man doch meinen, die Netzkultur sei schneller. Ist sie auch, nur ich eben nicht immer. Trotzdem möchte ich hier noch meine Sicht des Braunschweiger Slams vom 17.2.2012 loswerden.

Dabei geht es mir nicht um die Veranstaltung an sich, sondern eher um die Entwicklung der Poetry Slam-Kultur im Allgemeinen. Kurz vorweg: Das neue Konzept mit neuem Moderator und mit musikalischer Begleitung hat dem Poetry Slam sichtlich gut getan. Slammaster Dominik Bartels konnte den Spannugsbogen über den gesamten Abend – gut dreieinhalb Stunden – halten, hat das Publikum mit seiner charmanten Art unterhalten und gleichsam den Slammern in ihren Persönlichkeiten genügend Raum gegeben. Vor allem aber waren die Texte der Poetry Slammer ausgewogen und qualitativ auf einem durchaus respektablen Niveau.

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im lesefluss mit dem sandfluss

Ein schmaler Band ist es geworden, der Roman Am Sandfluss von Gyrðir Elíasson. Und doch entfaltet Elíasson auf 137 Seiten eine Geschichte über Leben, Einsamkeit, Natur und Tod, die mehr erzählt als manch dicker Wälzer. Das gelingt ihm durch verschiedene Erzählebenen; neben der Ich-Erzählung des Protagonisten, ein vereinsamter Maler, baut Elíasson über die Natur und über Verweise auf Briefe von van Gogh, einer Biographe über Chagall sowie auf andere Maler und Literatur zwei weitere Ebenen ein, die der Gedankenwelt des Ich-Erzählers einen Rahmen geben.

Wir begleiten einen Maler im Sommer und Herbst auf seiner Reise zum Selbst. Er hat sich zurückgezogen aus der Stadt, lebt jetzt in einem Wohnwagen auf einem Campingplatz am Rande eines Waldes, durch den sich der titelgebende Sandfluss schlängelt. Weiterlesen

engel links, teufel rechts … oder so

Zur Zeit herrscht eine ziemliche Aufregung, wenn es um „das Internet“ geht: Google ändert zum 1. März seine Datenschutzbestimmungen, Facebook führt die Chronik sukzessive für alle ein und ein deutscher Politiker prophezeit den Untergang der Netzkultur. Letzteres wird definitiv nicht eintreten, für Erstaunen hat die Aussage dennoch gesorgt. Eine weit hitzigere Diskussion wird derweil um die ersten beiden Punkte geführt.

Vereinfacht gesagt stehen sich zwei Positionen gegenüber: Die Sorglosen und die Besorgten. Den Sorglosen ist es egal, dass Google und Facebook munter Daten sammeln. Nutzen können die Firmen sowieso nur die wenigsten Informationen und was in Zukunft damit passiert, ist … nun mal Zufkunftsmusik. Die Besorgten hingegen sehen hinter jeder 0 und 1, die sie im Netz hinterlassen, einen Angriff auf ihre Persönlichkeit und es gilt für sie, die Hoheit über alle Daten zu behalten.

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mit worten die fäulnis bekämpfen

Etwas ist faul im Staate, das dachte nicht nur der Offizier Marcellus in Hamlet, sondern auch Dominik Bartels und viele andere Slammerinnen und Slammer in Deutschland. Um auf die Fäulnis aufmerksam zu machen, hat Dominik Bartels zwanzig dieser Autoren gebeten, ihre Texte für eine Anthologie zur Verfügung zu stellen. Zusammengekommen sind 29 Geschichten, Erzählungen, Erlebnisse und Schilderungen des Deutschen Alltags. Texte, die den Blick auf die Ungerechtigkeiten in unserem Staat lenken. Und damit ist es mit der Gemeinsamkeit auch schon getan. Denn es sind Texte zusammengetragen worden, die sich in Form und Appell deutlich unterscheiden. So findet sich das Gedicht „Dann ist aber Schluss“ von Felix Römer neben einer satirischen Zukunftsversion „Die Erde schafft sich ab“ von Xóchil A. Schütz. Einige der Autoren rufen ihre Zuhörer/Leser wörtlich auf, etwas gegen das Unrecht zu unternehmen (Björn Högsdal), während wieder andere sich selbst und (Sebastian 23, Thomas Langkau) setzen.

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