do something

Quelle: http://www.interiorsuk.com/g/2012/logos/karine_kong__make_things_happen.jpg

Karine Kong

Man müsste einfach mehr Zeit haben. Mehr Zeit für die Zeitung am Frühstückstisch. Mehr Zeit zum Skypen mit der Freundin im Ausland. Mehr Zeit für den Roman auf dem Nachttisch, fürs Longboardfahren-lernen, zum Im-Park-liegen, zum Leben.

Aufstehen, ins Büro fahren, arbeiten, nach Hause fahren, vielleicht noch zum Sport oder doch lieber durch das Fernseherprogramm (ab)schalten und dann schlafen. Überhaupt mal schlafen. Ständig bin ich müde. Und das, obwohl es so viel zu tun gäbe. Da wartet die berufliche Weiterqualifikation darauf, endlich angegangen zu werden. In Konkurrenz dazu stehen die Freunde, die ich gefühlt viel zu selten sehe. Und eben der Roman, die Idee, das Projekt …

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#aufschrei

Ich gebe zu, ein wenig spät dran zu sein. Vieles wurde schon gesagt über Herrenwitze und Mitarbeiterinnen in kurzen Röcken, vieles wurde missverstanden, manches aus dem Weg geräumt. Eigentlich wollte ich mich nicht zur #aufschrei-Debatte äußern. Nicht, weil ich sie für überzogen oder falsch halte. Einfach deshalb, weil mir die Dichotomie, die im Zuge der Diskussion aufgemacht wird, schwer über die Lippen kommt. Überspitzt heißt es: Männer machen Herrenwitze über Frauen in zu enger Bluse und zu engem Rock. Weiterlesen

be a beast

Es ist der Film des Jahres. Punkt. Viel mehr brauche ich eigentlich nicht sagen über Beasts of the Southern WildAußer vielleicht, dass der Film mich beim filmfest Braunschweig regelrecht umgehauen hat. Grandios gefilmt, eindrucksvolle Bilder vom überschwemmten New Orleans, ein einfacher wie absolut stimmiger Soundtrack und vor allem: eine umwerfende Hauptdarstellerin umringt von tollen Laiendarstellern, denen man das Laientum nicht anmerkt.

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the sound of the artist

“Heute nachmittag durfte schon jeder, der wollte, seinen Oscar anfassen” mit dieser eindeutig gemeinten, vom Publikum zweideutig aufgefassten Anekdote, leitete Festivalleiter Volker Kufahl einen wunderbaren Abend ein. Gemeint war der Acadamy Award für die beste Filmmusik des Komponisten Ludovic Bources. Erhalten hat er ihn für The Artist, der Film, der bei 2012 einen Oscar nach dem anderen abräumte. Im Rahmen des Internationalen filmfest wurde der Film nun abermals in Braunschweig gezeigt. Diesmal mit der Orginalmusik aufgeführt vom Staatsorchester Braunschweig. Mit dabei der Komponist.

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… und am ende der show ist da soviel ungutes gefühl

Für diesen Post muss ich ein wenig ausholen.

Im Frühjahr startete Roche und Böhmermann auf zdf.kultur. Dass es keine einfache Fernsehshow werden wird, war den Moderatoren klar, war den Machern klar, war dem ZDF klar. Charlotte Roche war Musikfernsehmoderatorin als Musikfernsehen noch Punk war. Sie hat nackt mit Bela B. gesungen (also zumindest im Video). Zuletzt hat sie als sogenannte Skandalautorin auf sich aufmerksam gemacht. Jan Böhmermann gehört zu den jungen Wilden: Er war Sidekick bei Harald Schmidt, moderierte die Außenwetten von Wetten dass… ?, macht unangepasste Radiosendungen und tingelt mit Klaas Heufer-Umlauf und einem Liveprogramm durchs Land.

Es war also klar, dass es nicht einfach werden würde, wenn diese beiden Moderatoren durch eine Talkshow führen wollen. Zumal das Konzept ebenfalls nicht unbedingt als angepasst gelten kann: “Rauchen, Saufen, Diskutieren Streiten Reden Unterhalten Fremdschämen”

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geschichten aus dem sumpf

796 Seiten liegen hinter mir. 796 Seiten zwischen mir und den Bewohnern der Corner. Sie sind die Protagonisten des gleichnamigen Buches von David Simon und Ed Burns. Auf ihr Leben beruht eine der erfolgreichsten Serien im amerikanischen Fernsehen. Aber da ist noch mehr: Sie sind echt. Gary McCullough, Fran Boyd, DeAndre, Blue, Fat Curt und all die anderen leben (oder lebten) in Baltimore. Ihr Alltag spielt sich ab zwischen der Fayette und Monroe Street. Jeder Tag gleicht dem anderen – trostlos und dennoch unausweichlich. Simon und Burns beschreiben das echte Leben echter Menschen. Vielleicht kann man sich deshalb so schwer von ihnen lösen, wird man hineingezogen in ihr Leben. Mit jeder Seite wächst die Anteilnahme, will man wissen, wie es ihnen ergeht, ob sie den nächsten Tag überleben.

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wissen macht den unterschied

… sagt Stefan Plöchinger in einer sehr gelungenen Serie über die Qualität Onlinejournalismus. In fünf Teilen und einem Bonustext analysiert er die deutsche Journalismuslandschaft im Netz. Er möchte Qualität messbar machen, dafür untersucht er Onlinetexte in ihrem Zusammenspiel mit Quantität, dem Zeitfaktor, der Qual, Innovation, Wiederverwertung und – am wichtigsten – dem Nutzer. Sehr präzise. Verständlich und leicht zu lesen. Und trotz des eher trockenen Themas wirklich anschaulich, wie zum Beispiel dieser Einstieg:

Der Mann, nackt, sitzt aufrecht im Ehebett, die Enttäuschung ist ihm ins Gesicht geschrieben. „Och nee“, sagt er, als sich seine Frau ihres Oberteils entledigt und darunter ein großes weißes Nichts zum Vorschein kommt, „hast Du wieder Deine Brüste in der Redaktion gelassen, damit sie Klicks bringen?“

Da weiß jeder sofort Bescheid. Stefan Plöchinger ist Chefredakteur der digitalen Medien der Süddeutschen Zeitung.

r2d2 schreibt über fussball

Vor einiger Zeit habe ich Marco Maas einen unglaublich inhaltsstarken Vortrag über Datenjournalismus halten sehen und hören (wann, wo und warum und was passiert ist, kann man hier nachlesen). Um deutlich zu machen, wo Datenjournalismus eingesetzt wird und wie er sich (nach heutigem Erkenntnisstand) entwickeln wird, nannte er als Beispiel den Sportjournalismus. Maas erzählte von Spielberichte, die allein von Computer geschrieben werden – ohne dass ein Mensch auch nur eine Buchstabentaste betätigen muss. Kameras zeichnen den gesamten Spielverlauf auf, berechnen und vergleichen Daten, fassen die Ergebnisse zusammen und dann schreiben sie einen Text. Im Grunde ist es die konsequente Weiterentwicklung der Sportberichterstattung, wie wir sie alle schon im Fußball kennen. Anstelle von Beckmann, Müller-Hohenstein und den Fußballexperten Scholl und Kahn sind es nun eben Computer, die sinnentleerte Kommentare zum Spiel abgeben. Weiterlesen