run, girl, run

Abends zwischen 18.00 und 21.00 Uhr gehört der Park den Läufern. Außer ein paar Hundebesitzer verirrt sich wochentags niemand in den Park, der nicht ausgestattet mit Funktionskleidung und Reflektoren eilig seine Runden dreht. Und auch, wenn ich es mir ungern eingestehe: Ich gehöre dazu. Weiterlesen

die öffentlich-rechtliche mär einer natürlichen gesellschaft

Als gestern Nacht zwischen 23.10 Uhr und 0.25 Uhr laute Empörungsrufe aus meinem Wohnzimmer erschallten, war es mitnichten ein Fußball-Fan der die Zusammenfassung des DFB-Pokal Spiels vom Abend sah. Nein. Ich habe vielmehr versucht, die Gesellschafts-Talkrunde Menschen bei Maischberger zu sehen.

Thema sollte der baden-württenbergische Bildungsplan sein, der vorsieht sexuelle Vielfalt im Unterricht zu behandeln. Nur – leider ging es nicht darum. Weiterlesen

journalism digitalism

Was auch immer die Digitalisierung mit unseren Geschäftsmodellen anrichtet, wenn wir journalistisch keinen Mist bauen, sondern eben jeden Tag exzellente Arbeit abliefern, vertrauen uns die Leute und erkennen unseren Wert.

Stefan Plöchingers Worte ins Ohr aller Journalisten, Verlegern und Entscheidern dieser Welt, dann freue ich mich schon auf mein neues Digital-Abo. Ganz vom Papier kann aber auch ich mich nicht trennen. Fürs Wochenende bleibe ich dem Zeitungspapierknistern treu …

#zeitkiller

Achtung, dies wird ein Blogeintrag über das böse, böse Internet. Einer, der schon hundertfach von anderen geschrieben wurde. Aber ich möchte mich einreihen in die Warteschlange des Lebens.

Ich habe frei. Einen Tag ganz allein für mich. Es ist acht Uhr in der früh und ich bin wach. Ich habe keine konkreten Pläne für heute, deshalb koche ich mir einen Kaffee und hole den Laptop ins Bett. Ich checke meine Mails. Ich überfliege meine favorisierte Nachrichtenseite. Ich checke Facebook.

8.30 Uhr. Die Sonne scheint, ich könnte laufen gehen. Zuerst beantworte ich aber die Facebook-Nachrichten. Weiterlesen

wenn einer eine reise tut …

dann tut er das häufig mit der Deutschen Bahn. Und es ist so, als würde man mit dem Eintritt in den Zug in ein Paralleluniversum eintreten.

Je nach Beweggrund der Reise und der Art des Zuges ändert sich das Universum. Morgens zum Beispiel, in einer Regionalbahn kurz vor sieben. Da sitzen die anonymen Pendler, das Frühstück in leuchtend gelber Pappe und Papiertüten. Weiterlesen

gelesen und für teilenswert befunden

Menschen haben kein natürliches Gespür für Wichtigkeiten. [...] Die Leistung der Redaktion ist die Einschätzung. Was ist wichtig? Was ist Unsinn? Was ist anders, als es aussieht? Für diese Einschätzungsgabe arbeiten Redakteure mitunter jahrelang. In Ausbildungen. In Praktika. Im Selbstversuch, meinetwegen. Die Gefahr des Mitmach-Web ist also nicht in erster Linie ein Problem der Arbeitsplätze, sondern der Verlust jeglicher intersubjektiver Wahrnehmung. Wenn die Basis der Beobachtung wegfällt, ist Information wertlos. Wir sind nicht in der Lage, die Schnittmenge aus sechs Milliarden Weltbeobachtungen täglich selbst zu bilden. Deshalb gibt es Medien.

(Thomas Holzinger und Martin Sturmer in Die Online-Redaktion)

räume erobern

Der Opener Grandmothers Mountain nimmt einen gleich gefangen: O Emperor beginnen ihr neues Album Vitreous ganz zurückgenommen und direkt, und steigern sich dann im Verlauf des Songs zu imposanten Klängen mit Violine, Schlagzeug und Bass. Und gerade auch deshalb entfaltet sich ein musikalischer Raum, der im Verlauf des Albums ganz unterschiedlich bespielt wird. Aber aus diesem Raum kommt der Hörer nicht mehr heraus, ist in ihm und mit der Musik gefangen. Ganz dicht dran an Song und Band. Und dann doch wieder ganz weit weg – in den Sphären in die uns O Emperor durch ihre Musik schicken. Jedes Lied entfaltet eine ganz eigene Dichte, durch Simplizität wie in Grandmothers Mountain oder durch das mit Hall überzogene Stück Holy Fool, das gleichzeitig die erste Single ist. Das gesamte Album entfalten die Iren von O Emperor eine Landschaft, grün, waldig, lebendig. Nur lassen sie diese Landschaft nicht ziehen, eher sperren sie sie in einen sakralen Raum ein. Den Hörer, der sich in diesen Raum hineinwagt, belohnen sie mit Versatzstücken aus der Pop- und Rockgeschichte, mit psychedelischen Ideen, die manchmal fragmentarisch, aber nie frickelig wirken. Am besten klingen O Emperor, wenn sie ohne Verzerrung und Hall ihren Sound finden – wenn sie direkt sind und ihren Raum abstecken. Dann bleibt man gerne länger gefangen in Song-Landschaften, Ideen und Melodien.

gender wars

Zwei Anekdoten dieser Woche:

Die Universität Leipzig hat das generische Femininum eingeführt. Die weibliche Form wird von nun an in der Grundordnung angewandt. Nüchtern betrachtet, ist es aber völlig egal, welches Geschlecht dort genannt wird – die Grundordnung werden die wenigsten Studierenden oder außeruniversitären Personen je zu Gesicht bekommen. Dennoch hat diese Entscheidung – zu Recht – für Aufsehen gesorgt. Und egal wie mutig, sinnvoll, überfällig und einleuchtend man die Entscheidung des Senats hält, etwas komisch mutet es doch an, wenn von nun an von männlichen Professorinnen gesprochen wird.

In einer Zielgruppenanalyse sollte die Zielgruppe für eine neue App ermittelt werden. Weil zwei Drittel, also mehr als die Hälfte der Smartphone-Nutzer (und somit potentiellen Kunden), männlich sind, wurden die Frauen in der weiteren Analyse einfach übergangen. Nach Feststellung der männlichen Dominanz im Smartphonemarkt kamen Frauen in der Analyse gar nicht mehr vor, weder in der weiblichen oder neutralen Form, noch in den Handlungsempfehlungen. Daraus schließend lässt sich also feststellen, dass Apps  ausschließlich für Männer gemacht sind, auch und gerade die App Barbie Fashionistas. Kann man ja mal behaupten.

Es gibt noch viel zu tun, für die Geschlechterverständigung … vielleicht ein wenig Judith Butler zum Einstieg? Das wäre zumindest ein Anfang.

do something

Quelle: http://www.interiorsuk.com/g/2012/logos/karine_kong__make_things_happen.jpg

Karine Kong

Man müsste einfach mehr Zeit haben. Mehr Zeit für die Zeitung am Frühstückstisch. Mehr Zeit zum Skypen mit der Freundin im Ausland. Mehr Zeit für den Roman auf dem Nachttisch, fürs Longboardfahren-lernen, zum Im-Park-liegen, zum Leben.

Aufstehen, ins Büro fahren, arbeiten, nach Hause fahren, vielleicht noch zum Sport oder doch lieber durch das Fernseherprogramm (ab)schalten und dann schlafen. Überhaupt mal schlafen. Ständig bin ich müde. Und das, obwohl es so viel zu tun gäbe. Da wartet die berufliche Weiterqualifikation darauf, endlich angegangen zu werden. In Konkurrenz dazu stehen die Freunde, die ich gefühlt viel zu selten sehe. Und eben der Roman, die Idee, das Projekt …

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